Politische Unruhen

Die politische Situation im englischsprachigen Teil von Kamerun (Regionen Südwest und Nordwest) ist in dieser Zeit etwas unübersichtlich geworden. Grundsätzlich sind Teile der Problematik nachvollziehbar. So scheinen sich die englischsprachigen (anglophonen) Landesteile gegenüber der französischsprachigen (francophonen) Mehrheit bereits seit langem benachteiligt zu fühlen.

Historisch bestehen neben der Sprache noch weitere Differenzen. Das Rechtssystem orientiert sich im englischsprachigen Teil am Rechtssystem von Grossbritannien und das im französichsprachigen Bereich an dem von Frankreich. Diese Systeme scheinen grundverschieden zu sein. Die Bildungssysteme unterscheiden sich ebenfalls, das offensichtlichste ist die Sprache des Unterrichts.

Wenn man den legendenhaften Erklärungen glauben kann, dann seien im letzten Jahr vermehrt francophone Lehrer und Richter in den englischsprachigen Landesteil gesandt worden. Dies habe dazu geführt, dass zum einen die Lehrer nicht mit den Schülern haben sprechen können und zum anderen die Richter nach einem anderen Rechtssystem Recht gesprochen haben. Als Protest darauf sei der Grossteil der anglophonen Lehrer und Richter in Streik getreten. Diese Situation sei nun von Separatisten, die sich entweder eine Unabhängigkeit des englischsprachigen Landesteiles (Ambazonia) oder eine Angliederung desselben an Nigeria wünschen, ausgenutzt worden.

Mehrere Schulen, in denen trotz des Streiks unterrichtet wurde, seien von den Separatisten abgebrannt worden. Bombenanschläge auf staatliche Einrichtungen gingen ebenfalls auf Ihr Konto. Die grösseren Städte im anglophonen Teil (Buea, Bamenda, Kumba) treten jeweils an fixen Wochentagen in einen Generalstreik. Wer sich dem widersetzt riskiere, dass die Separatisten das Geschäft in Brand setzen. Diese Unruhen haben auch die Formalitäten für unsere Aufenthaltsbewilligung auf Eis gelegt. Wir werden es Mitte Oktober, nach unseren Ferien im französischsprachigen Landesteil, erneut versuchen.

Mit Spannung wurde der erste Oktober erwartet. An diesem Tag wurden vor Jahrzehnten die beiden Landesteile vereint. Und an diesem Tag rechnete man mit grösseren Unruhen im englischsprachigen Landesteil. Manche erwarteten sogar, dass die Separatisten an diesem Tag die Unabhängigkeit ausrufen.

Genaue Informationen, was wirklich passiert ist, liegen aktuell noch nicht vor. Es habe acht Tote, zahlreiche Unruhen und Schiessereien gegeben. Das sagen zumindest die Gerüchte. Sehr viel erfährt man allerdings nicht, Whatsapp und Facebook sind im anglophonen Landesteil von der Zentralregierung gesperrt worden. Seit ein paar Tagen gebe es zumindest in Manyenem gar kein Internet. Genauere Informationen hierzu stehen daher noch aus.

Diese Angaben beruhen grösstenteils auf Hörensagen, da wir uns gerade tief im francophonen Landesteil und damit weit weg von den Unruhen aufhalten. Wir sind daher aktuell von der ganzen Angelegenheit nicht unmittelbar betroffen. Mittelbar hingegen schon, denn eigentlich wollten wir in etwas mehr als einer Woche in den anglophonen Landesteil zurückkehren…

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