Skin-Graft

Mehr oder weniger zeitgleich mit unserer Ankunft in Manyemen ist ein Patient mit einer schweren Weichteilinfektion am Fussrücken im Spital eingetreten. Die Wunde wurde gleichentags im Dressing-Room in einer „leichten“ Narkose debridiert, also die komplette Nekrose (der abgestorbene Bereich) entfernt und die Wunde bis zu den Sehnen freigelegt. Anschliessend wurde die Wunde täglich ohne Betäubung mit feuchten Kompressen verbunden.

Das erste Foto entstand ca. 20 Tage nachdem der Patient ins Spital kam. Es ist bereits frisch granulierende Gewebe sichtbar.

Nach ca. 5 Wochen hatte sich die Wunde soweit erholt, dass von einer Hauttransplantation gesprochen wurde (Zweites Foto).

In einer Teilnarkose wurde dann ca. 6 Wochen nach Eintritt des Patienten das „Skin-Graft“ durchgeführt. Dafür wurden am Oberschenkel viele kleine „Inselchen“ der oberen Hautschichten entfernt und in einem zweiten Schritt auf die Wunde am Fussrücken aufgelegt.
In der Schweiz würde dieses Verfahren mit einem Dermatom durchgeführt werden. Das ist eine Art Elektrorasierer, der die obersten Hautschichten als intakte Ebene entfernt. Anschliessend würde die Haut „gemesht“ werden, also so eingeschnitten werden, dass ein Maschendrahtgitter entsteht. Dieses würde auf Wundgrösse gedenht und ringsherum am Wundrand befestigt. Häufig wird dazu auch ein Vakuumverband eingesetzt. Bei diesem Verfahren wird die „neue“ Haut ziemlich rasch mit Blutgefässen versorgt und kann unter idealen Bedingungen heilen.
Das hier in Manyemen angewandte Verfahren führt zum selben Ergebnis, benötigt aber sowohl bei der Operation als auch im anschliessenden Heilungsprozess mehr Zeit. Vor allem benötigt es aber praktisch keinerlei spezielles und teures Material.

Der erste Verbandwechsel fand fünf Tage nach dem Eingriff statt. Ich bin deswegen extra am Sonntagmorgen um 7 Uhr ins Spital gerufen worden, da ich interessiert war, wie das ganze aussieht. (Drittes Foto)
Alle zwei Tage wurde der Verband mit Vaselinegaze erneuert und die Wunde heilte sehr gut. Auch die Stelle, an der die Haut entfernt wurde, entwickelte sich unauffällig. (Viertes und fünftes Foto)

Die letzten zwei Bilder zeigen die Situation am Austrittstag, rund zwei Monate nach Eintritt des Patienten ins Spital. Die ehemalige Wunde zeigt sich komplett verschlossen.

Es ist schon erstaunlich wie so etwas hier gemacht wird. Das Resultat am Ende ist jedoch das selbe, und der Patient ist aufgestellt und schmerzfrei aus dem Spital gegangen…






Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.