Limbe

Letztes Wochenende mussten wir uns leider bereits wieder von meinen Eltern verabschieden, jedoch nicht ohne ein paar Tage in Limbe.

Zu Limbe und dem Reiz dieser Stadt habe ich in den letzten Beiträgen bereits genug geschrieben. Gerne möchte ich jedoch noch ein paar Fotos zeigen:
vom Botanischen Garten


der Stimmung am Meer (Fotos von meiner Mutter)

„Down Beach“ wo die Fischer ankommen und der frische sowie auch der gegrillte Fisch verkauft wird (Fotos von meiner Mutter)


und von der sehr prominenten Bohrinsel.

Tagesausflug zum Wasserfall

Rund eine Stunde von Manyemen, zu Fuss mit Machetenbegleitung, liegt ein wunderschöner kleiner Wasserfall. Diesen wollten wir letzte Woche meinen Eltern zeigen.
Schnell war entschieden, dass uns Alphonse, ein Mitarbeiter vom technischen Team und mittlerweile auch guter Freund, uns zum Wasserfall führen soll. Um acht Uhr morgens ging es los in den Busch, die Machete geschliffen und in der Hand. Zuerst führte der Weg vorbei an Gärten und Feldern der Einwohner von Manyemen. Es was eindrücklich zu sehen, wie sauber und gepflegt alles war. Noch beeindruckender wird es, wenn man bedenkt, dass die gesammte Ernte mit der eingenen Körperkraft zurück ins Dorf gebracht werden muss, fahrtauglich sind die Pfade jedenfalls nicht. Eine Staude Plantains (Kochbananen) oder eine Ladung Manjok sind ausserdem nicht gerade Leichtgewichte!
Der Busch verdichtete sich zunehmends und der Weg war teilweise nicht mehr zu sehen. Dennoch führte uns Alphonse zielsicher weiter durch Wasser und Sumpf.
Nach etwas mehr als einer Stunde hörten wir immer stärker werdendes Wassergeplätscher und der Weg ging steil bergab. Immer wieder musste sich jemand kurzzeitig und unfreiwillig hinsetzen. In diesem Sumpf war das eine ziemliche Schweinerei.
Unten angekommen, fühlten wir uns wie im Film. Wir sahen einen wunderschönen und mächtigen Wasserfall. Gerne lasse ich die Fotos sprechen…

Unterwegs

Gemeinsam mit meinen Eltern machten wir uns nach kurzer Akklimatisation und Spitalführung auf eine kleine Rundreise.
Angefangen mit einer Stadtführung in Bamenda und dem obligatorischen Besuch des Marktes ging es weiter zur Töpferei der PCC (Presbytarian Church in Cameroon). PresPot ist eine klassische Manufaktur, in der noch alles von Hand selber hergestellt wird, begonnen mit dem Abbau von Lehm, dem Mahlen, sieben und wässern, trocknen lassen, formen und dem ersten brennen, bemalen, glasieren und wiederum brennen.

Weiter ging die Reise über das in diesen Regionen (Nord-West/West) übliche Grasland bis nach Foumban.

 

 

 

Foumban ist ein Sultanat und mindestens jeder zweite Bewohner gehört laut eigener Aussage zur königlichen Familie. Wir besichtigten den Palast, das Palastmuseum sowie die sehr alte und traditionelle Buschtrommel.

 

Weiter ging die Fahrt nach Bafoussam, einer geschäftigen aber eher unattraktiven Stadt. Kurz nach Bafoussam stoppten wir in der Chefferie Bandjoun. Eine Chefferie ist ein Sultanat oder Lamidat eines entsprechenden Stammes und der Fon ist das Oberhaupt. Die Chefferie Bandjoun ist die wichtigste und älteste Chefferie im Land der Bamiléké (Bamiléké ist die wichtigste Ethnie im Grasland). In dem dazugehörigen kleinen Museum wurden wir eingeführt in die uralten und immer noch gepflegten Traditionen.

Weiter fuhren wir durch wunderschöne Landschaften, über gute bis sehr schlechte Strassen bis zu den

Ekom-Wasserfällen bei Nkongsamba. Bei den imposanten, rund 80 Meter hohen Wasserfällen wurden 1984 Teile einer Tarzanverfilmung gedreht.
Der Rückweg nach Manyemen führte mit einer einfachen Fähre über den Mungofluss. Die Bilder sprechen für sich…

On the way …

Am Samstag Abend haben wir meine Eltern in Douala am Flughafen abgeholt. Die kommenden zwei Wochen dürfen wir ihnen nun dieses faszinierende Land etwas näher bringen.

Untenstehende Bilder sind auf dem Weg nach Douala entstanden und zeigen die kamerunischen Transportmöglichkeiten. Als wir kurzzeitig etwas langsam hinter diessen zwei Jungs hergefahren sind, hat sich der hintere unvermittelt doch mal umgedreht. Wir zeigten die Kamera und erhielten durch Nicken die Zustimmung, das wir sie fotografieren dürfen. Nachdem wir sie überholt hatten, hielten wir an und warteten auf sie. Die Beiden schienen sehr viel Spass zu haben, im Fokus zu stehen, auch wenn es sie offentsichtlich amüsierte, dass wir etwas für sie alltägliches so aussergewöhnlich fanden.

Auf die Frage hin, ob die Schweine denn noch leben würden, klopfte der eine dem Schwein auf die Backe und meinte: „Ja, aber nicht mehr lange!“

Ashua-bee

Nun sind wir also bereits seit knapp 2 Wochen wieder in Manyemen und durften während 5 Tagen den Luxus vom eigenen Auto (Martins Auto) geniessen. Wir haben die nächste Ration Hühner organisiert, waren in Kumba einkaufen und erholten uns nochmals 2 Tage in Limbe, bevor wir letzten Montag Martin in Douala abholen durften.

Ein Anliegen der Hausangestellten von Martin und uns war, eine gemeinsame Kleidung zu haben. Dies hat hier in Kamerun eine grosse Tradition. Die gemeinsame Kleidung wird Ashua-bee genannt. Egal zu welchem Anlass (z.B. Hochzeit, Geburtstag, Beerdigung) kann mann um das Fest zu Unterstützen häufig ein Stück Stoff (6 Yards) zu einem leicht höheren Preis als es ursprünglich erworben wurde kaufen. Diese Preisdifferenz kommt dem Fest zugute. Anschliessend lässt man daraus ein Kleid anfertigen.

Wir haben demzufolge beim letzten Besuch in Bamenda 4 Stück Stoff gekauft und nun gemäss den Wünschen unserer Haus-Crew zu Kleidern für die Frauen und Hemden für die Männer verarbeiten lassen.

Letzten Mittwoch haben wir diese nun feierlich bei einem üppigen und grandiosen Abendessen eingeweiht.

(hinten: Martin, John, Bodo, Fred, Tom vorne: Tanja, Christine, Roseline, Marvel)

Aufenthaltsbewilligung – Anlauf Nr. 2

Nach unserer Rückkehr aus den Ferien haben wir uns wohl oder übel auf einen neuen Versuch zur Erlangung unserer Aufenthaltsbewilligung eingelassen. Auf dem zentralen Polizeiposten in Buea waren wir ja bereits bekannt und wurden von Pamela, unserer Sachbearbeiterin, auch gleich mit der Hand begrüsst.
Da wir am Montag erst gegen Mittag nach Buea kamen, war leider nicht mehr viel zu erreichen. „Is too much work today“ hiess es nur und unser geduldiges Warten nützte nichts. Nach ein paar Stunden riet Pamela uns, am nächsten Morgen wieder zu kommen.
Das war nun also der vierte Tag, den wir auf dem Polizeiposten wegen unserer Aufenthaltsbewilligung verbrachten. Nach geduldigem Warten schien sich dann doch etwas zu bewegen, unser Dossier wurde genemigt, Foto, Fingerabdrücke und Unterschrift eingelesen und die provisorische Bewilligung vorbereitet. Wir waren um zehn Uhr fertig. Nun fehlte nur noch der Stempel der zuständigen Kommissarin.
„Wait small time“ hiess es. Nach zwei Stunden warten wurde uns mitgeteilt, dass die Kommissarin zwar am frühen Morgen im Büro gewesen, gegen 8 Uhr dann aber zum Sport verschwunden sei. Meistens komme sie irgendwann wieder. Wir entschlossen uns, die Zeit so gut wie möglich zu nutzen, und gingen auf den Markt um unseren doch eher leeren Haushalt in Manyemen wieder aufzufüllen.
Als wir am späteren Nachmittag wieder kamen, wurde uns endlich die inzwischen gestempelte und unterschriebene provisorische Aufenthaltsbewilligung ausgehändigt. Sie ist gültig bis Ende November, ob es danach nochmal von vorne losgeht, wird sich zeigen…

Extrême-Nord

Maroua ist die Hauptstadt der muslimisch geprägten savannenartigen Region Extrême-Nord. Aufgrund von wiederkehrenden Konflikten mit der inzwischen im Hinterland und in den Grenzregionen heimisch gewordenen islamistischen Sekte Boko Haram aus Nigeria, kommen praktisch keine europäischen Reisenden mehr nach Maroua. Die meisten Europäer, die man hier trifft, leben entweder seit langem hier oder sind beruflich unterwegs.

In Maroua waren wir im Porte Mayo Hotel untergebracht, einer schönen Hotelanlage unter europäischer Leitung mit einzelnen Bungalows. Das Restaurant war ebenfalls ziemlich gut und hatte eine ungewöhnlich grosse Auswahl, meistens war auch ungefähr die Hälfte der Gerichte auf der Speisekarte tatsächlich an Lager – das ist klar Rekord!

Viele kamerunische Restaurants haben, möglicherweise als Erinnerung an die Kolonialzeit, tatsächlich eine Speisekarte. Meistens gibt es von über zehn Gerichten jedoch nur eines oder zwei zur Auswahl. Daher haben wir auch auf Martins Vorschlag das Verhalten der kamerunischen Gäste in kamerunischen Restaurants übernommen. Wir schauen die Speisekarte höchstens zur Inspiration an und stellen dann in lokalem Dialekt die alles entscheidende Frage: „You have what?“

Einer unserer Ausflüge führte uns nach Pouss, einen kleinen Ort, der nur durch eine Wasserstrasse vom Tschad getrennt ist. Die Piste führte an einem etwas undichten Deich vorbei und war daher ab einem Kanal so matschig, dass auch mit einem guten Geländewagen kein Durchkommen mehr war. Wir mussten uns daher nach einem anderen Fortbewegungsmittel umsehen. Die freischaffenden, auf den abgaben- und zollfreien Warenverkehr zwischen Kamerun und Tschad spezialisierten Bootsunternehmer waren dann auch sichtbar erleichtert, dass die „White Man“ sie nicht zu genau beobachteten oder gar fotografierten, sondern auf ein paar Motorrädern über den Deich verschwanden. Auf diese Weise erreichten wir unser Ziel, die tradionellen spitzen Lehm-Häuser (Kegelhütten) des Mouzougoum Stammes, dessen Mitglieder im Ruf stehen, die grössten Menschen Kameruns zu sein.

 

Am nächsten Tag stand der Mindif Mountain auf dem Programm. Ein solitär stehender und von weitem sichtbarer Berg mit einer ganz charakteristischen Form. Da der Weg dorthin auch für unseren aus Maroua stammenden Fahrer nur schwer zu finden war, mussten wir unterwegs mehrfach nachfragen. Dabei fiel auf, dass Frauen am Wegesrand in der regel sofort alles stehen und liegen gelassen haben (z. B. Feuerholz, ihre Ernte, etc.) und weggerannt sind, sobald unser Auto langsamer wurde. Auch als wir in einem Dorf einer Gruppe von Kindern begegneten, haben die Jungs uns interessiert beobachtet, während die Mädchen sofort weggerannt sind. Ein Baumwollfarmer konnte uns dann die Erklärung für dieses Verhalten liefern: Die Frauen und Mädchen haben grosse Angst, von Boko Haram entführt zu werden. Daher sehen sie in jedem langsam fahrenden Auto eine potentielle Gefahr.

Auf dem Rückweg besichtigten wir eine Gerberei. Dort wird in Handarbeit im Freien aus der Haut von Tierkadavern Leder hergestellt. Obwohl die Erklärungen zu den einzelnen Schritten sehr spannend waren, hatte man doch die ganze Zeit den intensiven Geruch von etwas zu lange in der Sonne gelegenen Tierkörpern in der Nase.

An unserem vorletzten Tag führte uns die Reise wieder über Land in das entlegene Dorf Douroum in der Region Meri. Mitten in zum Teil muslimischem und zum Teil animistischen Land steht dort eine extravagante Kirche, die wir besichtigen konnten. Von dort kamen wir nach einem Fussweg von etwa einer Stunde zu einem traditionellen Dorf des Moufou-Stammes, durch das uns die lokalen Kinder gerne führten. Auch die (für Kinder begehbare) Vorratskammer durfte nicht fehlen. Boko Haram ist hier ebenfalls ein grosses Thema, Reisende kommen seit Jahren nicht mehr in das Dorf. Der lokale Guide hat daher keine Kunden mehr. Und der Betreiber des einfachen Campements klagte uns das selbe Leid. Dass das letzte Mal jemand bei ihm übernachtet hat, sei auch schon Jahre her. Auf dem Rückweg hat unser Fahrer es mit seinem offensiven Fahrstil dann doch noch geschafft, bei der schnellen Durchfahrt durch ein tiefes Loch brach die Vorderachse unseres unzerstörbar gewähnten Sequoia. Zum Glück waren wir schon wieder so nahe an Maroua, dass wir schnell einen anderen Transport zur Rückkehr organisieren konnten.

 

Letztlich wurden auch wir durch Boko Haram eingeschränkt, die geplante Besichtigung einer weiteren Kirche mussten wir absagen, da auf dem Weg dorthin am Vortag mehrere Soldaten bei Feuergefechten verletzt worden waren. Auch wenn der letzte terroristische Anschlag in Maroua deutlich länger (mehrere Jahre) her ist als zum Beispiel in Londen, raubt der Terror den Menschen hier ihre Lebensgrundlage, was auch eine Form von Terrorismus ist.

Am letzten Tag frequentierten wir ausführlich den Markt von Maroua (der landestypische „Apotheker“ durfte nicht fehlen) und hatten auch Gelegenheit die Moschee zu besuchen und beim Freitagsgebet dabei zu sein. Der Imam und viele Gläubige begrüssten uns sehr freundlich und gaben uns das Gefühl, willkommen zu sein.

Leider viel zu schnell ging unsere Rundreise durch Kamerun zu Ende und wir machten uns auf dem Luftweg zurück nach Douala auf. Unser Guide sparte sich das Geld und nahm statt dem 90-minütigen Flug eine 27-stündige Busreise zurück nach Yaoundé auf sich.

Auf dem Weg nach Maroua

Unser erster Stop auf dem Weg nach Maroua war die Kola-Schlucht. Ein überwiegend tockenes Flussbett mit massiven Granitfelsen. In der Regenzeit (Juli bis September) ist hier anscheinend kein Stein mehr zu sehen, dann führe der Fluss massive Wassermengen. Und in der Trockenzeit kann man zu Fuss auf Sand durch die Schlucht gehen. Jetzt, Anfang Oktober ist noch einiges an Wasser vorhanden, die Jugendlichen um uns herum äusserten jedoch, dass es nicht mehr lange gehen würde bis alles trocken sei.

Nach einer kurzen Fahrt war beim Dorf Bidzar unser nächster Halt. Ein unscheinbares Areal mit Marmorfelsen zeigte sich uns. Unser Führer äusserte, das er selber noch nie dort war und nicht genau wisse, was es dort zu sehen gäbe. Einige Kinder tanzten freudig um uns herum und signalisierten uns, ihnen zu folgen. Das taten wir auch, und sie führten uns zu drei verschiedenen Felsgravuren. Früher soll es über hundert solcher Gravuren gegeben haben, heute zeigen sich leider nur noch diese drei. Woher die Gravuren kommen, ist unbekannt. Auf dem Foto zu sehen ist „die Schildkröte“.

Am Abend kamen wir dann in dem sehr gut erhaltenen Relais Porte Mayo an, was für die kommenden Tage unsere Unterkunft sein wird.



Nord-wärts

Unsere Fahrt aus dem Bénoue Nationalpark raus verlief exakt so wie die Fahrt hinein. Wiederum nach rund 30 Minuten chauffierte uns der Fahrer in eine tiefe, diesmal mit Wasser und somit Schlamm gefüllte Furche und wir setzten mit der Hinterachse auf. Rund zwei Stunden später waren ausser uns und komischerweise dem Fahrer alle dreckig und das Auto aus seiner unpässlichen Lage befreit. Dies nicht zuletzt aufgrund der grösseren Gruppe von Soldaten die zufällig vorbeikamen und tatkräftig mit anpackten.

Weiter ging unsere Reise an den Ladgo-See, wo unser Guide uns spontan eine exklusive Führung im Wasserkraftwerk, mit dessen Chefingenieur er zusammen in Köln studiert hatte, organisieren konnte. Lagdo ist ein Stausee des Bénoueflusses, welcher 1977 bis 1982 durch Unterstützung der Chinesen gebaut wurde. Das Stauwerk ist rund 300m lang und 40m hoch, der See umfasst eine Fläche von über 550km2 und die gesamte Anlage versorgt den kompletten Norden von Kamerun mit Elektrizität.

Nach dieser spannenden Führung fuhren wir weiter bis nach Garoua. Garoua ist die Hauptstadt der Region Nord. Auf dem Weg veränderte sich die Landschaft langsam aber sicher zu einer trockenen dürren Savanne.

Unser Hotel in Garoua hatte einen Swimming Pool. Eigentlich ist das nichts ungewöhnliches. Richtig ungewöhnlich wird es erst, wenn Europäer darin schwimmen und zu einem signifikanten Kontrast der Hautfarben führen. Wir waren die Attraktion – für die anderen! Uns hingegen haben eher die beiden jungen verschleierten Frauen in traditioneller muslimischer Kleidung überrascht, die nach dem Umkleiden ebenfalls im Swimming Pool landeten – im Bikini.

Nach einem Besuch auf den doch immer sehr farbenfrohen, umtriebigen und wunderschönen Märkten von Kamerun, ging die Reise bereits weiter. Nord-wärts!




Bénoue Nationalpark

Nachdem wir die Regionshauptsadt Ngaoundéré sowie das Lamidad de Ngaoundéré (Herrschaftsbereich des Lamido, ähnlich Emir) besucht und uns mit Proviant und frischen Früchten für die nächsten Tage eingedeckt haben, ging unsere Fahrt weiter. Das Ziel war der ganzjährig geöffnete Bénoue-Nationalpark.

Der von uns eigentlich favorisierte Boubandjida-Nationalpark ist zu dieser Jahreszeit leider geschlossen, weshalb wir den im selben Landesteil gelegenen Bénoue-Nationalpark als Alternative gewählt haben. Gemäss Reiseführer sei der Tierbestand in diesem Nationalpark allerdings aufgrund häufiger Frequentierung durch Wilderer und Goldsucher geringer. Dies scheint wirklich so zu sein, allerdings hat das Militär seit einigen Jahren diese illegalen Aktivitäten stark verringert.

Das Abenteuer begann bereits am Eingang des Parkes, wo die Dorfbewohner in aller Ruhe Bohnen und Mais auf der Strasse getrocknet haben. Nachdem unserer Fahrer signalisiert hat, das er keinen Spass mache, sondern *wirklich* die Einfahrt in den Nationalpark befahren wolle, haben alle freissig begonnen, die Körner und Bohnen zusammenzuräumen. Ein paar Ziegen haben tatkräftig beim Aufräumen geholfen. Anschliessend rutschten wir im Auto etwas zusammen und nahmen drei Angestellte des Camps (Campement) mit, die dort für uns zuständig sein sollten. Eigentlich hätte uns da bereits etwas dämmern sollen…

Mehr als einmal lobten wir unseren Fahrer und das doch sehr gute 4×4 Fahrzeug. Die Strasse, oder besser der Pfad, befand sich wegen der Regenzeit in ausgesprochen schlechtem Zustand, zugewachsen und mit teilweise sehr tiefen Furchen. Nach ca. 30 Minuten Fahrt rutschte das Fahrzeug auf eine Seite aus, fuhr mit zwei Rädern in eine tiefe Furche und wir setzten mit der Hinterachse auf. Sie hatte sich regelrecht eingegraben. Nun waren wir doch sehr froh um die Hilfe der zusätzlichen Fahrgäste, die mit allerlei technischen Finessen das Auto teils ausgegraben und teils angehoben haben.

Alle waren froh, als wir bei Einbruch der Dunkelheit endlich im Campement angekommen sind. Das Campement ist eine wunderschöne, aber weder gepflegte noch unterhaltene Anlage mitten im Park. Es gibt in den Bungalows sogar Klimaanlagen, Warmwasserboiler und Duschen, was allesamt den Eindruck erweckt, dass es hier zu (viel) früherer Zeit mal elektrischen Stom und fliessendes Wasser gegeben haben könnte. An diese Zeiten erinnerte sich von den Anwesenden jedoch niemand mehr. Bei Kerzenlicht packten wir unser (zum Glück) mitgebrachtes Moskitonetz aus und waren froh um das anschliessende Abendessen. Selbstverständlich waren wir die einzigen Europäer hier.

Am nächsten Tag machten wir uns zu Fuss mit Guide und Wildhüter auf die Wildsuche. Das Gebüsch und Gras ist aufgrund der gerade zu Ende gehenden Regenzeit jedoch so hoch, das wir lediglich Spuren von verschiedenen Tieren gesehen haben. Einzig Affen und Hippos (Flusspferde) zeigten sich uns. Auf eine Safari mit dem Auto verzichteten wir, da die Ranger uns mitteilten, dass die Fahrwege erst nach der Regenzeit neu angelegt werden würden. Voraussichtlich. Das Risiko, mitten im Urwald liegenzubleiben, war doch zu absehbar.

Grundsätzlich hätte man vermutlich vorher erahnen können, dass ein Parkbesuch in der Regenzeit nicht sonderlich viel Sinn macht. Das hat den Veranstalter aber nicht davon abgehalten, uns diese Tour (gerne) zu verkaufen.