Wer braucht schon eine Aufenthaltsbewilligung ?!?

Da man Visa in Kamerun nicht verlängern kann, unsere aber am 20. Oktober ablaufen, haben wir die letzten zwei Tage leider vergebens versucht, unsere Aufenthaltsbewilligung (resident permit) zu beantragen. Die gesammte Bürokratie geht hier erwartungsgemäss deutlich länger…
Am Donnerstag sind wir mit Martin, der zu seinen Ferien in die Schweiz abgereist ist, nach Buea gefahren. In Buea ist die Behörde und Polizei, die für die Südwest-Region zuständig ist, ansässig. Mit viel Papier und selbstverständlich mit Hilfe eines Kontaktmannes der Kirche sind wir dort angekommen und mussten erst mal der etwas genervten (hungrigen?) Beamtin beim Mittagessen (Yam and Eru, sah gut aus!) zusehen. Nach eigentlich ziemlich kurzer Zeit (ca. drei Stunden) wurden wir dann zu ihrem Kollegen in ein abgelegenes Büro zur Aufnahme unserer biometrischen Daten geschickt. Leider äusserte dieser bereits bei unserem Eintreffen, keine Lust mehr zum Arbeiten zu haben, und dass wir doch am nächsten morgen wiederkommen sollen. Unser Kontaktmann konnte ihn überzeugen, weiterzuarbeiten, und nach nochmals ca. einer Stunde Wartezeit durften wir sein Büro betreten. Alles schien nicht schlecht zu laufen, bis ca. 10 Minuten später wiederholte kurze Stromuausfälle begannen, die jedesmal seinen Computer neustarteten. Von da an lief nichts mehr und wir mussten die Übung tatsächlich auf den nächsten Tag verschieben.
Am Freitag Morgen um neun Uhr warteten wir wiederum vor dem selben abgelegenen Büro. Nach einer Stunde waren wir an der Reihe. Dieses Mal war die am Vortag so hungrige Beamtin für uns auch in desem Büro zuständig. Ungünstigerweise begann zu diesem Zeitpunkt wohl die Rede des Kamerunischen Präsidenten vor der UN-Vollversammlung in New York, was massive Unruhen in den englischsprachigen Gebieten von Kamerun auslöste. Da die Sicherheitskräfte auf den Strassen der Stadt um Unterstützung gebeten hatten, erhielt unsere Beamtin von ihrem Vorgesetzten die telefonische Anweisung, das Büro umgehend zu verlassen und mit ihrer Einheit auszurücken. Wir wurden daher zwar freundlich aber kompromisslos hinausgeworfen.
Wir sind gespannt, ob das irgendwann noch klappt und sind froh, rechtzeitig mit den Bemühungen für unsere Aufenthaltsbewilligung begonnen zu haben. Der nächste Versuch ist in zwei Wochen, nach unseren Ferien. 🙂
Die Bilder von den Unruhen mit mehr oder weniger friedlichen Demonstrationen haben wir selbst allerdings nur im Fernsehen gesehen. Wir haben uns in unser etwas abgelegenes Hotel zurückgezogen und nichts weiter mitbekommen.

Soeben …

Heute Abend waren wir bei einer befreundeten Familie zum Essen und Palmwein trinken eingeladen. Wir hatten vor allem mit der kleinen Blessing sehr viel Spass. Wie sie nun selber sagt, hat sie keine Angst mehr vor „white men“, kommt auf uns zugerannt und kennt sogar unsere Namen.

Für alle und jeden, Kind und Erwachsene, sind wir sonst „white men“ – man stelle sich dies analog bei uns vor…

Soeben sind wir nun nach Hause gekommen, ich habe unserem Nachtwächter Wasser und einige Bananen gebracht und die Haustür geschlossen. Kurz danach klopfte er plötzlich wieder: Wir sollten mal kommen, er habe eine Schlange gefunden. Kamera und Taschenlampe im Anschlag und äusserst gespannt, zogen wir unsere Schuhe an. Und tatsächlich, ca. zwei Meter von unserer Haustür entfernt und natürlich bereits erschlagen lag eine „black snake“. Gemäss Ruben, unserem Nachtwächter, sei dies eine sehr gefährliche Schlange. Normalerweise gäbe es nun ein Festessen für die Kameruner aber diese hier ist leider „too small“. Ashia.

Aller Guten Dinge sind…

Gegen 17 Uhr und damit kurz nach Dienstschluss sass ich neulich noch im Wartebereich des Spitals. Ich beobachtete dabei zufällig die Ankunft eines Autos, aus dem eine junge Frau ausstieg. Die Frau war offensichtlich schwanger, was in Kamerun überhaupt nicht ungewöhnlich ist, ich wandte mich daher schon fast wieder meiner Lektüre zu, wäre nicht genau in diesem Augenblick eine zweite Frau mit einem Säugling auf dem Arm ebenfalls ausgestiegen. Das Trio steuerte gemeinsam ziemlich zielsicher den Gebärsaal an.

Viel Zeit um über diese Situation nachzudenken blieb nicht, denn ziemlich bald tauchte jemand auf, der mir erklärte: „Doc, they need you in the maternity!“ Man muss an dieser Stelle erwähnen, dass praktisch alle Geburten hier nicht ärztlich begleitet werden und man üblicherweise erst am Morgen erfährt, was in der Nacht im Gebärsaal los war. Wenn der Gebärsaal aber doch nach dem Arzt ruft, ist meistens etwas gar nicht gut.

Die Patientin lag auf dem Gebärtisch, die Nabelschnur hing noch heraus, das mitgebrachte Baby wurde gerade gewogen, 2400g. Eine Hausgeburt demnach. Man erklärte mir, dass das Baby gegen 08 Uhr auf die Welt gekommen sei (also 9 Stunden zuvor). Während ich gerade mein Erstaunen äusserte, erfuhr ich, dass das noch nicht alles ist: Das andere Baby war noch drin! Und dass es überhaupt noch ein anderes Baby gab, hatte die Hebamme gerade erst beim Abtasten herausgefunden. Die Patientin hatte nämlich leider keine Geburtsvorbereitung besucht. Fünf Kinder hatte die Patientin bereits, mit dem zu Hause geborenen Baby sollten es eigentlich sechs sein. Nun war die Zahl drauf und dran sich auf sieben zu erhöhen…

Das Blut der Patientin wurde zwar schon langsam etwas knapp (Afrikanische Definition! Gemäss europäischer Definition hatte die Patientin bereits VIEL zu wenig Blut), aber die Herztöne des zweiten Babys waren kräftig und in gutem Tempo, so dass wir uns zu einem medikamentösen Einleitungsversuch entschieden. Dies nicht zuletzt auch auf Wunsch der Patientin, die sich bereits fragte wie sie ein Kind mehr als gedacht wohl würde ernähren können. Die Kosten für einen Kaiserschnitt sind nämlich derart existentiell hoch, dass manche Familien ihn noch nichtmal ganz abbezahlt haben, wenn bereits das nächste Baby kommt.

Nach zwei Stunden klingelte dann das Telefon, die Hebamme hatte in der Zwischenzeit bereits das Doppelte der von mir verordnete Menge verabreicht und ich wurde informiert, dass die Herztöne zwar noch immer gut seien, ausser Blut aber überhauptnichts herauskomme. Ich machte ich mich auf den Weg ins Spital und überlegte mir, wie ich der Frau wohl die Notwendigkeit eines Kaiserschnitts näherbringen könnte. Im Gebärsaal angekommen, war die Hebamme bereits dabei, den Boden zu wischen. Nachdem sie vom Telefon zurückgekommen sei, sei plötzlich alles so schnell gegangen, dass sie nicht mehr dazu gekommen sei, mich nochmal anzurufen. Die Babys seien beide wohlauf, 2200g und 1800g. Während ich die zum Glück nicht mehr wesentlich blutende Frau untersuchte, fiel mir auf, dass man mir kurz nach Eintreffen der Patientin mit dem Baby ein Gewicht von 2400g genannt hatte… „Ja, Doc. Das war das ERSTE Baby, die anderen BEIDEN sind 2200g und 1800g…?!?“

Als ich diese drei Zahlen im Kopf addiert hatte, wurde mir vor Ehrfurcht trotz 30°C und 90% Luftfeuchtigkeit eiskalt. Und der Patientin kamen die Tränen: Schon mit einem Kind mehr wäre es eigentlich endgültig genug gewesen, aber mit drei Babys mehr sind es insgesamt schon acht. Und alle möchten gerne etwas essen und zur (kostenpflichtigen) Schule gehen.

Von diesen Bedenken liess sich die komplette gehfähige Belegschaft des Spitals aber nicht abhalten, ob diesem seltenen Ereignis laut zu singen und sich über die Drillingsgeburt zu freuen. Der Vater, der hier bei einer Geburt grundsätzlich nie dabei ist, hat von dem grossen Wurf allerdings erst am nächsten Tag erfahren…

Alltag…

Ab und zu kommt es vor, dass der Kraftstoff für die Generatoren ausgeht, bevor neuer organisiert wird. Dies liegt zum einen an der finanziellen Fehlplanung des Spitals, manchmal gibt es für die aus Sicht der Verwaltung offensichtlich unwesentlichen Dinge wie Kraftstoff, Gehälter der Mitarbeiter oder Rechnung der Zentralapotheke kein Geld. Zum anderen ist es ganz banales organisatorisches und persönliches Versagen des Administrators, der trotz mehrmaliger unmissverständlicher Aufforderung machmal einfach nicht nach Kumba fährt, um Diesel zu kaufen.

Eine solche Situation hatten wir am vergangenen Freitag. Der Administrator wurde seit Montag mehrmals informiert, dass wir spätestens Donnerstag Mittag neuen Kraftstoff brauchen, er hat aber keinen gebracht. Die letzten Liter Kraftstoff wurden dann in der Nacht auf Freitag bei einem Notfall-Kaiserschnitt verbraucht. Das Licht muss gemäss dem Operateur genau in dem Moment ausgegangen sein, als er die Handschuhe ausgezogen hat. Die Patientin hat nochmal Glück gehabt!

Auf Druck der Mitarbeiter konnte sich der Administrator dann zum Glück doch dazu entschliessen, am nächsten Tag nach Kumba zu fahren. Der neue Kraftstoff kam leider erst rund 14h später. Das heisst, den ganzen Freitag über hatten wir keinen Strom. Tagsüber ist dies für die meisten Arbeiten im Spital nicht unmittelbar tragisch, mittelbar jedoch schon. Ohne Strom gibt es nämlich auch kein Wasser und das Labor, das einen wesentlichen Teil der Einnahmen generiert, ist nur sehr eingeschränkt arbeitsfähig. Nicht nur die Laborgeräte sondern auch das Mikroskop braucht Strom. Damit sind die meisten Blutuntersuchungen wie Blutbild und Blutchemie, Urinanalysen, Stuhlproben, Tuberkulosetests und quantifizierende Malariatests nicht möglich. Möglich sind nur Schnelltests wie Schwangerschaftstest, qualitativer Malariaschnelltest und, solange die Batterien halten, kapilläre Bestimmung von Hämoglobin und Blutzucker aus der Fingerbeere. Röntgen und Ultraschall sind natürlich auch ausser Betrieb.

Auch die Administration selbst sass den ganzen Tag nichtsarbeitend herum, denn die Akkulaufzeit ihrer Laptops ist leider gleich null. Deren Wertschöpfung war im Gegensatz zum restlichen Spital allerdings nicht wesentlich geringer als während dem Regelbetrieb.

Wir haben an diesem Tag nicht nur schlechten Service für die Patienten geleistet und dem angeschlagenen Ruf des Spitals weiter alle Ehre gemacht. Wir haben vor allem auch erheblich weniger eingenommen, als an einem typischen Freitag möglich gewesen wäre. Das Geld für den Kraftstoff musste letztlich doch ausgegeben werden, es ist also nicht wirklich etwas gespart worden. Anfang der Woche haben die ersten Mitarbeiter ihren Lohn für Juli (!) ausbezahlt bekommen, für die letzten wird es angesichts dieser Ereignisse aber wohl eher schlecht ausgehen.

In solchen Zeiten sind wir um so dankbarer über unsere private Solaranlage im Haus, die seit über einem Monat fertig installiert ist. Es funktioniert alles einwandfrei: 24h Licht am Tag, Kühlschrank wird in der Nacht rund 4h zusätzlich über die Baterie und tagsüber im Notfall direkt über Solarstrom betrieben, Laptop und Handy können jederzeit aufgeladen werden, etc. Bodo hat die komplette Installation im Haus übernommen und ich durfte mit Martin aufs Dach!

Tuberkulose-Center

Dem Spital zugehörig ist auch ein eigenes Tuberkulose-Center. Tuberkulose ist eine durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit. Die Krankheit betrifft den gesamten Körper, zeigt sich anfänglich jedoch hauptsächlich in der Lunge. Symptome der pulmonalen Tuberkulose (Lungentuberkulose) sind über Wochen anhaltender Husten mit blutigem Auswurf, Nachtschweissigkeit, Gewichtsverlust und häufig Fieber.

Wenn ein Patient mit Verdacht auf Tuberkulose eintritt wird er umgehend um eine Sputumprobe gebeten. Die erste wenn immer möglich sofort und die zweite am folgenden Tag morgens früh. Wenn nur einer dieser beiden Tests positiv ist wird der Patient umgehend in das etwas abseits gelegene Tuberkulose-Center verlegt. Der Hauptansteckungsweg sind Tröpfchen, die beim Husten übertragen werden. Daher macht es Sinn, diese Patienten zu von anderen Patienten abzusondern um diese vor Ansteckung zu schützen.

Die Patienten werden anschliessend für 6 Wochen stationär behandelt und anschliessend noch für Monate ambulant weiterbetreut. Die Kosten für die komplette Behandlung werden von der Regierung übernommen und sind somit für die Patienten „free of charge“. Bei einer frühzeitigen und korrekten Behandlung ist Tuberkulose komplett heilbar. Schwere Begleiterkrankungen, wie zum Beispiel HIV, die in dieser Gegend nicht selten ist, erhöhen die Häufigkeit von Tuberkulose und können die Heilungschancen verringern. Auch die Compliance der Patienten ist von grosser Bedeutung, da die Therapie im Spital und anschliessend zuhause monatelang geht.

Auf den Bildern sind einige Impressionen dieser Abteilung zu sehen. Die Patienten schlafen in 2 Säälen, Frauen- und Männersaal und teilen sich zusammen eine Küche. Meist sitzen die Patienten früh morgens vor dem Haus und grüssen jeden einzelnen freundlich. Etwas weniger schön ist, dass im Frauensaal immer deutlich mehr Frauen schlafen, als wir weibliche Tuberkulosepatientinnen haben. Dieser Saal wird häufig von den „patient carern“ (Familianangehörigen) der männlichen Tuberkulosepatienten als Unterkunft benutzt. Aus Infektionsschutzgründen ist das natürlich katastrophal.


Update

Unsere Hühner gedeihen prächtig, das erste haben wir bereits genossen.
Und der Garten, naja, was kam, waren für kurze Zeit Bohnen, danach sind diese leider irgendwelchen Insekten zum Opfer gefallen, wenige Karotten, die noch immer in der Erde garen und Okra, die sich ungefragt selbst angepflanzt hat. Tomaten, Kräuter, Zucchetti, Blumenkohl, Chinakohl, etc. wollen von uns und von Manyemen leider nichts wissen. Einen Versuch war es wohl trotzdem wert.
Heute feiern wir Martins Geburtstag. Wahrscheinlich wird es eher eine kurze Nacht… 🙂


B-Ware in der „Entwicklungshilfe“

Ein zwar menschenverachtend veraltetes aber leider noch immer häufig angewandtes System der „Entwicklungshilfe“ ist, Dinge die man nicht mehr braucht, nach Afrika zu schicken statt sie fachgerecht zu entsorgen. Frei nach dem Motto, hier ist es zwar Abfall, aber DIE DORT freuen sich ja. Man gewinnt doppelt, zum einen kann man stolz auf sich selbst sein (natürlich redet man auch viel über die „gute Tat“), zum anderen spart man sich die Entsorgungskosten. Noch billiger kann man die Welt nun wirklich nicht retten.

Daran, dass man mit Elektroschrott unter einfachen Bedingungen, ohne Reparaturhandbuch, ohne Know-How und am besten auch noch ohne Anschlusskabel, rein garnichts anfangen kann, verschwendet man keinen müden Gedanken.

Ganz vegleichbar ist die Situation einer Operationsschere, die in Europa ausgemustert wird, weil sie verbogen ist und nicht mehr schneidet. Sinnvoll geschliffen werden kann sie in diesem Falle auch nicht mehr, da sich die Klingen garnicht berühren. Sie ist schlicht und ergreifend defekt. Woher kommt wohl der Gedanke, dass diese Schere in einem afrikanischen Bauch besser angewendet werden könnte als in einem europäischen?

Im Operationssaal hatte ich neulich grössere Schwierigkeiten, mir die sterilen Handschuhe anzuziehen. Irgendwie habe ich es einfach nicht geschafft, die jeweiligen Finger in die richtigen Öffnungen hineinzuschieben. Und dann war auch noch der Daumen auf der falschen Seite. Diese Situation rief Erinnerungen an mein Studium und an die ersten derartigen Versuche wach. Hinzu kam, dass ich mich gefragt habe, was die wache Patientin (Rückenmarks-Anästhesie), die gerade in meine Richtung schaute, sich dabei wohl denken würde. „Handschuhe anziehen kann er nicht, aber gleich soll er mich operieren. Klasse!“ Als sich dann der linke Handschuh gerade komplett auflöste wurde mein Weltschmerz vom Gelächter der OP-Schwester unterbrochen, die mir erklärte: „Nimm neue Handschuhe Doc, ist mir vorhin auch passiert. Die liegen falschrum in der Verpackung! Der ganze Karton ist so. Kommt aus Europa.“

Gegen Ende der Operation (auf die besagte Schere während der Operation war ich ja weiter oben bereits eingegangen) bekam ich dann einen schönen Nylon-Faden (2-0) mit entsprechend solider Nadel. Es gelang mir aber partout nicht, diese Nadel durch das Bauchgewebe zu stechen. Erst mit maximalem Kraftaufwand ging es dann endlich, sie war wirklich komplett stumpf. Am anderen Ende kam aber nur noch die Nadel heraus, der Faden war schon lange abgerissen. Auf mein Unverständnis hin wurde mir erklärt: „Das ist made in Germany, was hast Du erwartet?“

Da mich diese Aussage, die nicht als Insult gemeint gewesen war, doch etwas überraschte, ging ich der Sache nach. Nach der Besprechung mit dem Apotheker, der für die Bestellung, Beschaffung und Lagerung des kompletten Materials verantwortlich ist, leuchtete mir die ganze Geschichte schon besser ein.

Produkte, die aus Europa hier her kommen, sind praktisch ausnahmslos „Spenden“ und oft Abfall, den man dort nicht mehr haben wollte. Gute Qualität kommt hier praktisch ausnahmslos aus Indien.


Eindrücke aus Bamenda

Hier nun ein paar Impressionen aus Bamenda und dem Weg dorthin. Sehr Eindrücklich sind neben dem Strassenzustand und dem aussergewöhnlich dynamischen Verkehr in Bamenda selbst insbesondere auch das Gehörn der Kühe – vor und nach der Trennung des Kopfes vom Rumpf…

Auch Falschparken kann man hier ganz exzellent, lediglich das Losfahren danach ist gelegentlich etwas erschwert! 😉

Wenn nicht als Parkplatz, so eignet sich die Leitplanke etwas abgeschwächt zumindest um Wäsche zu trocknen.










Bamenda zum zweiten

Relativ spontan haben wir uns diese Woche entschieden, ein weiteres Wochenende in Bamenda zu verbringen und sind am Freitag Morgen losgefahren.
Dieses Mal hatten wir deutlich weniger Programm geplant und konnten daher strukturierter vorgehen. Am Freitag Nachmittag kamen wir wiederum zuerst im Prescafé an, einem der Kirche gehörenden Café, dessen Karte mit verschiedenen Kuchen, Fruchtsäften, Smoothies und „Swiss Müesli“ noch an die grosse Vergangenheit erinnert. Heutzutage gibt es nur noch (zugegebenermassen ziemlich guten) Kaffee, Flaschengetränke und wenige einfache Gerichte. Letztere allerdings nur, wenn man die überaus unmotivierte Bedienung schafft, dazu zu überreden. Zum Glück gelang uns das und so gönnten wir uns erstmal etwas zu essen und einen feinen Kaffee. Der anschliessende bereits fast obligatorische Besuch im Prescraft Shop, mit wunderschönem Kunsthandwerk und Geschirr, ludt wieder sehr zum Shoppen ein.
Den Abend haben wir gemeinsam mit Lumumba, dem lokalen Koordinator von Mission 21 für Kamerun, bei ein paar Gläsern Wein verbracht.

Heute waren wir am Morgen auf dem nahezu unendlich grossen Markt. Der erste Besuch galt einer Schneiderin, die uns traditionelle Kleidung in adäquater Qualität anfertigen soll, was in Manyemen selbst leider undenkbar ist. Anschliessend waren wir auf dem Food-Market um frisches Gemüse und weitere Kochzutaten einzukaufen.
Am Sonntag treten wir bereits wieder den Heimweg an.

Ich versuche in den nächsten Tagen einige Impressionen von Bamenda hochzuladen, das Kartenlesegerät wollte dieses Mal leider nicht mitkommen… Die Fotos zeigen den einzigen noch unfertigen Abschnitt der ansonsten exzellenten Strasse nach Bamenda, sowie Bamenda by night.


Sterben und Tod

Sterben und Tod ist ein Thema, das uns in unserer täglichen Arbeit in der Schweiz wie auch hier in Kamerun fast täglich begegnet. Die Überschrift „andere Länder, andere Sitten“ wäre auch in diesem Zusammenhang passend, denn der Umgang mit dem Thema ist tatsächlich anders…

Äusserst befremdlich ist, dass über den bevorstehenden Tod oder eine terminale Krankheit GAR NICHT gesprochen wird. Als sich eine HIV-Patientin mit AIDS im Endstadium in einem sehr schlechten Allgemeinzustand aufgrund massiver Übelkeit und Kraftlosigkeit weigerte zu essen, wurde sie von ihrer Mutter und der zufällig vorbeikommenden Laborantin in meinen Augen ziemlich hart zurechtgestutzt und regelrecht zum Essen gezwungen. Sie wurde mehrfach gefragt, ob sie leben oder sterben wolle und dass sie nun Essen und Trinken MÜSSE. Sie solle der Mutter nicht so viel Sorgen bereiten, sich zusammenreissen und nun endlich den Mund aufmachen, etc… Um den Worten mehr Nachdruck zu verleihen, wurde mit dem Stauschlauch (für Blutabnahmen) mehrfach auf das Bett geschlagen. Drei Stunden später verstarb die Patientin schliesslich wie erwartet.

Anfangs war es für mich unverständlich, dass Angehörige die Patienten in einem sehr schlechten, bzw. regelrecht terminalen Zustand mit nach Hause nehmen möchten. Dies hat jedoch erst auf den zweiten Blick verständliche logistische und vor allem finanzielle Hintergründe.

Die Möglichkeit der Aufbewahrung eines verstorbenen Körpers ist in Kamerun seit der Ebola-Epidemie stark eingeschränkt worden. Ein Verstorbener darf ungekühlt nicht länger als einen Tag (24h) aufbewahrt werden. Kühlhäuser (Mortuary) für Verstorbene gibt es zum Beispiel in Nguti (20 Autominuten) oder in Kumba (1h Autofahrt), nicht jedoch in Manyemen. In einer Mortuary können die Verstorbenen auch mehrere Monate aufbewahrt werden, dies ist lediglich eine finanzielle Frage. Der Transport von verstorbenen Personen ist hier nicht speziell geregelt, jedoch muss der Fahrer informiert sein, dass er eine verstorbene Person transportiert. Der Preis für die Fahrt steigt auf diese Information hin deutlich. Ein noch lebender Patient könnte aber viel preiswerter auf einem Motorrad statt teuer in einem Auto, das normalerweise bis zu acht Fahrgäste mitnimmt, transportiert werden.

Im Spital haben wir eine kleine ungekühlte Mortuary. Patienten, die bei uns im Spital versterben, werden dort hingebracht und bis zu 24h aufbewahrt. Der Körper wird den Angehörigen erst übergeben, wenn die Spitalrechnung komplett beglichen ist. Was geschieht, wenn dies nicht innerhalb der Frist von 24h passiert, weiss ich (leider) nicht. Dies ist bisher nie eingetreten. Die Angehörigen scheinen in diesem Falle die entsprechenden finanziellen Mittel aus eigenem Interesse viel rascher auftreiben zu können als für lebende Patienten.